Gamelan

Bali: Damit assoziieren wir Europäer vor allem Strand, Sonne, Meer – eine ‚Ferieninsel‘ halt, mit dem Hauptzweck, begüterten Touristen ‚exotische‘ Erholung am Strand zu bieten. Weniger bekannt scheint zu sein, dass Bali vor allem eine Insel vielfältiger Kultur ist: Musikalisch dominieren die zahlreichen Formen des Gamelan – vor allem das mit seinen klangvollen Metallophonen imponierende gong kebyar und das im ritualisierten Alltag der Balinesen unverzichtbare Gamelan beleganjur.

Der Begriff „Gamelan“ bezeichnet, vor allem auf Bali und Java, sowohl mehrere Musikrichtungen als auch ein Ensemble an Musikinstrumenten. Am Institut für Musikwissenschaft sind unter der Leitung von Dr. Gilbert Stöck zwei solche Ensembles vorhanden: zum einen ein gong kebyar, zum anderen ein beleganjur, die sich zwar wesentlich voneinander unterscheiden aber auch Gemeinsamkeiten aufweisen.
In beiden Fällen wird die musikalische Grundstruktur durch gongs und einem kempli gewährleistet. Die Gongs spielen ein variables Grundmuster („gongan“), während das kempli, ein kleinerer Buckelgong, den Ablauf des Gongan mit kurzen, regelmäßigen Rhythmusimpulsen unterstützt. Oft werden Melodien im Gamelan als kotekan (= „interlocking“) gespielt, das heißt, dass eine Melodie oder ein rhythmisches Muster auf mehrere Spieler aufgeteilt wird.

Beim beleganjur wird auf dieser Grundlage Prozessionsmusik („gilak“) oder eine durchgearbeitete Komposition gespielt. Beim gilak gibt es das feststehende gongan und Freiräume, in denen im Sinne einer nicht vorher einstudierten Folge von Spielmustern der einzelnen Instrumente, der musikalische Ablauf variabel gestaltet werden kann. Sehr wichtig sind hierbei zwei kendang (= konische Doppelfelltrommeln), die durch das Spiel bestimmter Wendungen anzeigen, was als nächstes gespielt wird. Das beleganjur umfasst vier voneinander unterschiedene Tonhöhen, wobei die genaue Intervallstruktur dieser Töne und die absolute Tonhöhe von Ensemble zu Ensemble variieren: Jedes beleganjur hat – wie im übrigen auch alle anderen Gamelan-Ensembles – somit seinen einzigartigen Klangcharakter.
Im Gegensatz zum gong kebyar kann beleganjur, seiner ursprünglichen Funktion als Prozessionsmusik entsprechend, auch im Gehen gespielt werden. Auf Bali diente und dient es noch heute u. a. als Musik bei Beerdigungen oder bei anderen rituellen Prozessionen.

Neben der Funktion Prozessionen zu begleiten, gibt es bei beleganjur-Musik seit einigen Jahrzehnten das Bestreben, neu komponierte Stücke aufzuführen, die vollständig vorgegeben, somit durchkomponiert sind. Diese Art des künstlerischen Gestaltens erfreut sich in- und außerhalb Balis großer Beliebtheit.
Beim gong kebyar werden vor allem Metallophone unterschiedlicher Größe gespielt. Auch diese teilen sich in mehrere Gruppen auf – je nach Funktion und Tiefe der Skala. Die Metallophone werden immer paarweise gespielt. Beide Instrument sind leicht gegeinander „verstimmt“, so dass im Zusammenklang eine charakteristische Schwebung entsteht.

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